Was kurzzeitige Erschöpfung alles mit einem anstellen kann. Vorhin, so um etwa 12 Uhr, musste ich mich schlafen legen. Die Terrorkrümel waren dermaßen aufgedreht, dass ich nicht mehr konnte. Ich konnte nicht mehr dagegen halten. Mir gingen die Argumente aus. Ich hatte keine vernünftigen Gegenbegründungen mehr, um den Haufen kleiner Kannibalen im Zaum zu halten. Vegetarismus war einfach nicht ihr Ding. So wählte ich einen Skill, der immer mal wieder zum Einsatz kommt, nämlich den Schlaf. Komatöser Vermeidungsschlaf wäre mir lieber gewesen, doch immerhin gewährten mir mein Kater James und mein Kopf knapp drei Stunden Erholung in Form von Dämmerschlaf. Erholung lässt es sich in der Tat nennen, denn seither brummelt der Kindergarten deutlich gedämpft vor sich hin.

Manche Dinge sagen wir in dem utopischen Glauben, die Realität würde sich unseren Vorstellungen beugen.
Oder so ähnlich. Es geht um das Thema Veränderung. Bei mir ändert sich Nichts, jedenfalls nicht äußerlich. Das Interne steht auf einem ganz anderen Blatt, welches auf einer ganz weit entfernten Ablage auf dem Schreibtisch meines inneren Großraumbüros liegt.

Konkret geht es um die Entstehung eines Empfindens, welches aus der aktuell veränderten Situation meiner besten Freundin resultiert. Wie ein paar Beiträge zuvor geschrieben, ist sie nun endlich mit einem Mann liiert, und sie scheint glücklich zu sein. Der natürliche Lauf einer solch veränderten Situation bringt mit sich, dass gemeinsame freundschaftliche Zeit knapper und anders berechnet wird. Mir ginge es ebenso, wenn ich eine neue Partnerin haben würde. Das stellt nicht den Knackpunkt dar. Sondern vielmehr ihre Worte, Beteuerungen, sie wünsche sich, dass sich in unserer Freundschaft deshalb nichts ändert, sie würde gerne genau so viel Zeit mit mir verbringen wie zuvor, und es finde keine Ersetzung statt.

Es ist eine Umverteilung, so viel ist mir klar. Allerdings merke ich eine andere Veränderung, dir mir nicht schmeckt: Anfangs meldete sie sich noch öfter von sich aus, und nun nimmt die Realität eben ihre vorprogrammierte Form an. Es gibt eben Dinge, die, in der Natur der Dinge begründet liegend, eben anders werden. Ich merke es an ihren Anreden. An ihren Small-Talk-Fragen. Die rosa Wolke umgibt sie jetzt völligst. Nicht schlimm, schließlich ist das Verliebtsein und eine neue Partnerschaft etwas Schönes, da verschieben sich nunmal die Prioritäten.

Mein erwachsenes Ich weiß das alles. Meine kindlichen Ego-States nicht. Die nölen, quäken, streiten, schieben Terror:

»Aber sie hat doch gesagt, dass … «
»Sie hat mich vergessen.«
»Ich bin unwichtig für sie geworden.«
»Ich bin es nicht wert.«
»Ich verdiene es, dass es mir schlecht geht.«
»Ich fühle mich bestraft.«

Oh. Oh. Oh. Wobei das nur ein Teil der Tiraden umfasst. Schließlich gibt es noch die etwas älteren Kritiker, und die legen nach:

»Du glaubst doch nicht im Ernst, dass sie dich jetzt noch braucht.«
»Warte nur ab, und in ein paar Wochen oder Monaten bist du ganz vergessen.«
»Du hast es nicht verdient, gemocht und geliebt zu werden, so wie du bist.«
»Du bist selbst daran Schuld, dass es dir jetzt wieder so schlecht geht.«
»Sie braucht dich nicht mehr, also kannst du deine Sachen packen.«
»Du bist so blöd, weil du ernsthaft gedacht hast, es würde sich nichts ändern.«

So und auch ähnlich. Im ganz eigenen Kreuzverhör dem Untergang geweiht wie damals die Titanic. Ein paar Überlebende gab es dennoch. Mit einem Stück Treibholz kann ich dem einen oder anderen Kontrahenten bestimmt den Mund stopfen. Psychologisch ist das Unsinn. Ich würde halt gerne. Immer noch besser als bei mir selbst. Und gerade in diesem Moment geht es einigermaßen. Nachher gibt es medizinisch initiierten komatösen Vermeidungsschlaf. Der wird gut.