Die Emotions-Regulation stellt eine Hauptschwierigkeit im täglichen Leben jedes Menschen dar, der eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung Typ Borderline hat. Wer sich darüber bewusst ist, hat zumindest den ersten Schritt getan und kann sich auf einen arbeitsreichen sowie langen Weg begeben, um das eigene Verhalten besser zu steuern und zu verstehen.

Heute bin ich beruflich fast den ganzen Tag außer Haus. Weil es sich angeboten hatte und gleichzeitig praktisch war, habe ich bei meiner besten Freundin übernachtet, auch wenn wir sowieso bereits verabredet waren. Meistens bekomme ich dort zu wenig Schlaf, weil sie einen ganz anderen Rhythmus hat als ich. Folglich bin ich heute wieder nicht auf der Höhe; ich bin recht müde, und das nutzen meine Terrorkrümel sehr häufig für ausschweifende Beschallung, sprich eine anstrengende, aufreibende Party der Tiraden.

Vorhin war mir danach, in einer Nachricht den Herz-Kuss-Emoji zu benutzen. Bis der tatsächlich in der Zeile stand und mit der Nachricht versendet war, dauerte es ein paar Momente – nur damit ich mich direkt danach wieder klein und naiv fühle. So haben mich ein paar Kritiker beschimpft, getadelt und wirklich klein gemacht. Einerseits ist es recht spannend, diese ganzen internen Vorgänge zu beobachten und bewusst zu erleben, andererseits sehr anstrengend und auch irgendwie erschreckend.

„Du brauchst dich nicht zu überlegen, Mausi. Ist alles gut“, lautete ihre schlichte Antwort auf meinen Zusatz mit dem vorangegangenen Hadern.

Obwohl ich gerade arbeite, habe ich viele kleine Pausen, schon allein durch den Vorgang des Drucks bedingt. Im Besucherraum sitze ich und notiere meine Gedanken. Sowohl die Verurteilungen als auch die Gegenargumente. Von Weitem betrachtet sieht alles so entfernt aus. Was ich mir für Gedanken mache. Zwei weiterführende Fragen heißen: Warum? Und woher kommt das? Nach diesen Antworten suche ich gerade etwas in meiner Vergangenheit. Ansatzweise ahne ich sie, es hilft ein wenig beim Verstehen.

Doch ich bin nicht frei. Ich kann mich nicht frei sprechen von mir selbst, von meinem Gefühlsleben. Schön wäre es. Es geht einfach nicht. Was ich jedoch kann, ist etwas Distanz zwischen das Damals und das Jetzt zu bringen. Jedenfalls versuche ich es. Der kleinen Tanja sagen, dass nichts Schlimmes daran ist, seiner besten Freundin ab und zu so einen Emoji zu schicken. Dass es nicht kindisch ist. Und klein Tanja auch ihre Antwort ernst nehmen soll, dass die Reaktion völlig in Ordnung war. Dass klein Tanja nicht blöd ist.

Schön wär’s, frei zu sein.